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Wenn die Hornisse zusticht

Wie gut Vergebung  in jeder Situation wirkt, hat Chris Ray kürzlich festgestellt, als er eine Hornisse aus dem Zimmer tragen wollte, die allerdings in Panik geriet. Hier sein Bericht:

Am frühen Morgen tigerte uns ältestes Katzenmädchen Tapsy durch das Schlafzimmer. Sie war eindeutig auf der Jagd. Nach ein paar Augenblicken fand ich das Objekt ihrer Begierde. Eine große Hornisse, die sich hierher verirrt hatte. Zum Schutze beider Kontrahenten machte ich mich daran, die Hornisse zu fangen und aus dem Schlafzimmer zu transportieren. Ich fasste sie an den Flügeln um sie durch das Dachfenster in die Freiheit zu entlassen.

Das funktionierte prima - bis sie meine Hilfeaktion als Angriff interpretierte. Klartext: Sie stach mir in den Daumen.

"Du Dusseltier", dachte ich spontan, denn es tat schon ziemlich weh. Dennoch hielt ich sie fest und komplimentierte sie aus dem Fenster. Sie zog den Stachel aus meinem Daumen, wirkte etwas erstaunt, blieb noch gefühlte 100 Sekunden auf meiner Hand sitzen und schwirrte dann los.

Ich rief ihr noch hinterher: "Ist ja gut, Du hattest nur Angst. Kann passieren. Ich wollte Dir nur helfen. Ich vergebe Dir." Dann schloss ich das Fenster. Mein Daumen schmerzte heftig. Der Schmerz zog bis in den Unterarm. Meine Schreibhand...
Ich rechnete mit einer starken Schwellung...
...die als Alibi dienen könnte mal nichts zu arbeiten. 

 

Es passierte allerdings etwas absolut Unübliches. Der Schmerz blieb etwa zwei Stunden, aber es gab keinerlei Schwellungen oder sonstige Symptome. Im Rückblick schreibe ich diesen positiven Verlauf meiner automatischen Vergebung zu und dass ich mich nicht revanchiert, sondern die Hornisse (wie geplant) frei gelassen habe.

Hier noch eine Leseprobe aus "Nimms leicht! Schlank durch Vergebung"



Vergebung oder Angriff - manchmal entscheidet das darüber, ob man eine Hautschwellung davon trägt, manchmal ist es eine Frage von Leben oder Tod. In einer solchen Situation waren mein Mann und ich in Ruanda.

 

Wir besuchten eine frei lebende Gorilla-Gruppe in den Virunga-Bergen. Unsere Guides sprachen mit ihnen. Sie machten verschieden klingende Laute, warteten die Antwort ab und erst danach durften wir näher an die Gruppe heran treten. Die Männer hatten die Gorillas begrüßt und ihnen bedeutet, dass wir als Freunde gekommen waren. Das akzeptierten sie. Wir standen in Reichweite der Gorillas. Berührungen sollten wir vermeiden. Das ist gar nicht so einfach, wie es klingt. Eine Gorilla-Mutter, die ein fast neugeborenes Baby auf dem Rücken trug, war sehr neugierig. Sie kam immer näher auf uns zu. Erst als der Silberrücken sich zwischen uns und sie stellte, drehte sie ab.

  Gorillas sind sehr friedliche und sanfte Tiere. Sie gehen sehr liebevoll und achtsam miteinander um. Aber sie sind auch sehr wehrhaft, wenn es darum geht, ihre Familie zu verteidigen. Der Silberrücken ist aufgerichtet um die zweieinhalb Meter groß, ein Koloss aus Muskeln. Ein Schlag von solch einem Riesen, und der Mensch würde nicht mehr aufstehen. Eine Unachtsamkeit von mir brachte den Silberrücken und mich in eine Situation, in der wir uns entscheiden mussten: Vergebung oder Angriff.

Die Hauptgruppe der Gorillas befand sich auf einer kleinen Lichtung, die ein wenig wie ein Kessel wirkte. Die Tiere saßen in der Mitte, unsere beiden Guides, zwei australische Touristen, drei bewaffnete Soldaten (wegen der Rebellen in dem Gebiet und falls es Probleme mit den Gorillas geben sollte) und wir beide standen am oberen Rand darum herum. Das alles spielte sich auf kleinstem Raum ab. Vielleicht zwanzig Quadratmeter.

Während ich fotografierte kam ich plötzlich ins Rutschen. Der Boden war meterhoch mit einem dichten Pflanzengeflecht bedeckt. Er war feucht und relativ glatt. Ich konnte nicht mehr stoppen und rutschte mitten unter die Gorillas. Einer der Guides hielt entsetzt den Atem an. Der Silberrücken stand auf, kam zu mir, baute sich halbaufgerichtet vor mir auf und schaute mir in die Augen. Er wollte wissen, ob ich irgendjemanden aus seiner Familie hatte angreifen wollen. Unsere Gesichter waren nur eine Handbreit voneinander entfernt.

Ich schaute sofort auf den Boden. Ich spürte keine Angst. Nicht um mich. Tatsächlich aber um die Gorillas. Ich wollte dem Chef der Gruppe einfach nur meine friedliche Absicht signalisieren. Ich sagte nichts. Aber ich dachte die ganze Zeit sehr deutlich. „Bitte entschuldige. Ich tu dir und deiner Familie nichts. Ich liebe euch. Ich respektiere euch. Bitte tu mir auch nichts. Sonst bringen die Soldaten deine ganze Familie um und richten ein Blutbad an. Nur weil ich so blöd war und ins Rutschen gekommen bin.“

Immer wieder dachte ich das. Wir standen da. Vielleicht drei Minuten. Mir kam es viel länger vor. Ich dachte nur diese Sätze, voll konzentriert, immer wieder. Die Guides waren total angespannt. Schließlich gab der Silberrücken einen Laut von sich, drehte sich um und ließ sich wieder auf seinem Platz nieder. Ich krabbelte vorsichtig wieder zurück auf meinen. 

 



 

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