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Der ist ja hundertprozentig charismafrei...

Tolle Jetzt Cover* Aus unserer Toolbox

Als der Verleger Joachim Kamphausen Eckhart Tolle zum ersten Mal für einen Vortrag buchte, kam in der Pause ein Mitarbeiter zu ihm und meinte fasziniert. "Der ist ja hundertprozentig charismafrei." Eine Aussage, die heutzutage schnell als Beleidigung aufgefasst werden könnte. Und zugleich eine Einschätzung, die es genau trifft.

Eckhart Tolle hat sein Ego in die Wüste geschickt. Oder wohin auch immer. Der Mann strahlt Frieden, Kraft, Stille und Selbst-Bewusstsein aus. Wer ihn bei seinen Vorträgen beobachtet, sieht einen kleinen dünnen Mann, dessen Hemden und Westover - wer trägt so etwas heute noch? - mindestens zwei Nummern zu groß gewählt wurden. Er geht krumm und wirkt alterslos. Manchmal sieht er aus wie Mitte Dreißig. Wenn er lacht - immer verschmitzt, immer amüsiert, nie wertend - hat er etwas sehr Jungenhaftes.

Tatsächlich ist er 64 und inzwischen so etwas wie der spirituelle Lehrer schlechthin. Hollywoodgrößen lieben ihn, sein Buch ist ein Beststeller und in 35 Sprachen übersetzt worden, seine Vorträge sind binnen kürzester Zeit ausverkauft. Er selbst warnt davor, sich falsche Vorstellungen von ihm zu machen. Er sei lediglich die Form, die so transparent sei, dass die Essenz des Lebens durch ihn hindurch scheine.

 

Eckhart Tolle hat im Alter von 29 Jahren seine persönliche Erleuchtung erlebt - sehr drastisch, sehr nachdrücklich, sehr akut. Seither hat er inneren Frieden. Weil er erkannt hat, dass das Ego und das Selbst zwei verschiedene Dinge sind.

Seine Erkenntnis: Der Mensch ist nicht sein Ego, er hat lediglich eins. Aber das Ego des Menschen lässt ihn leiden. Dieses Ego nicht mehr zu füttern, sich seiner selbst bewusst zu werden, das ist der Weg, inneren Frieden zu finden. Und dadurch tatsächlich die Welt zu verändern. Das Ego lässt uns leiden. Und nur durch dieses Leid schaffen wir es, die Schale des Egos zu knacken und es zu überwinden.

Die Gedanken, die ständig im Kopf kreisen, kaum zu stoppen sind, sind schuld an unseren Emotionen. Das Nicht-Leben im Jetzt. Das Vermeiden des Augenblicks. Wer sein eigenes Satori hatte, seinen ersten kleinen Augenblick der Erleuchtung, der wird nie wieder völlig unbewusst werden können. Er wird ein Gefühl der Befreiung erlebt haben, wie er es bis dahin noch nicht kannte. Wahrscheinlich wird er, wie Jim Carrey es bei einem Vortrag von Tolle beklagte, einen langen Weg vor sich haben. Ein Auf und ab auf den Wellen. "Mal bin ich auf einer Welle, dann bin ich wieder im Wellental", so Carrey.

Doch egal wie lange man braucht, eine Rückkehr gibt es nicht mehr. Das ist ein Versprechen, das Tolle gibt. Eckhart Tolle hat eine sehr nachdrückliche Erfahrung gemacht, um dahin zu gelangen wo er heute ist. Nachdem er sein Satori hatte, sah er die Welt mit völlig neuen Augen. Er verlor das Interesse am Alltag so sehr, dass er praktisch zwei Jahre lang auf Parkbänken lebte. Er, der gerade noch an einer Uni angestellt war, der ein Akademikerleben geführt hatte.

Offenbar war diese Erfahrung aber unverzichtbar. Denn was er dabei lernte war, dass es immer weiter geht. Immer habe sich da eine Chance aufgetan, sich etwas zu essen zu verdienen. Als Eckhart Tolle einer Eingebung folgend in die USA und nach Canada zog, hatte er ein wenig Erspartes dabei. Das reichte genauso lange, wie er brauchte, um sein Buch fertig zu schreiben. Naja, fast. Ein Monat fehlte. Er kaufte sich ein Los, gewann 1.000 Dollar und schrieb das Buch zu Ende. Der Rest ist Geschichte.

Was Tolle vermittelt, nimmt man ihm ab. Es gibt wohl kaum einen Menschen, der so viel Frieden, Ruhe, Gelassenheit, so viel sanften Humor und so viel Liebe ausstrahlt, wie dieser kleine Mann. Er lebt, was er sagt. Ein Punkt, den viele Lehrer gern vergessen, der aber essentiell ist. Große Führer und große Lehrer machen vor, wovon sie sprechen. Das ist schon fast ein Naturgesetz. Und nur dadurch erreichen sie auch das Unterbewusstsein ihrer Schüler, die entsprechend ihr Leben ändern können.

Es gibt da diese Anekdote von Mahatma Ghandi:
Eine Mutter brachte ihren kleinen Sohn zu ihm und bat: "Sage ihm, er soll aufhören, Zucker zu essen." Gandhi schickte die Frau weg und bat sie, in zwei Wochen wiederzukommen. Zwei Wochen später kam sie wieder. Ghandi schaute dem Kleinen fest in die Augen und sagte: "Hör auf, Zucker zu essen." Dankbar, aber ziemlich verwundert fragte die Mutter: "Warum musste ich zwei Wochen warten?" "Vor zwei Wochen", antwortete Gandhi, "habe ich selbst noch Zucker gegessen."

Was Tolle predigt - das Leben im Jetzt, das Bewusstwerden des Moments und der Gegenwärtigkeit - ist vor allem deshalb so befreiend, weil das Ego das Zepter abgeben muss. Das Ego, das sich so stark macht und doch so schwach ist.

"Du bist der Himmel. Die Wolken sind das, was darin kommt und geht." Innere Stille allein ermöglicht den Kontakt zum wahren Selbst. Das klingt kompliziert, aber Eckhart Tolle macht klar: Man braucht dafür keine Tricks, keine Methode, keine Kniffe. Mann muss einfach nur nichts tun und beobachten. Nicht analysieren, nicht sezieren - beobachten.

Wenn Tolle das erklärt, ist es klar und verständlich. Es zu tun ist wesentlich schwieriger. Immer wieder wird man sich erwischen, wie das Gedankenkarrussell wieder zu kreisen beginnt. 

Wo das eigene Ego zerstörerisch ist, ist es das kollektivere noch viel mehr. In "Eine neue Erde" schreibt er: "Wie schwer ist es doch, mit sich selbst zu leben! Eine der Arten und Weisen, wie das Ego einem unbefriedigenden persönlichen Selbstsein zu entgehen trachtet, ist die, sein Selbstgefühl zu vergrößern und zu stärken, indem es sich mit einer Gruppe identifiziert - mit einer Nation, politischen Partei, Firma, Institution, Sekte, Bande, Clique oder Fußballmannschaft."

Und weiter: "Ein kollektives Ego weist die gleichen Merkmale auf wie ein persönliches Ego, zum Beispiel das Bedürfnis nach Gegnern und Konflikten, das Bedürfnis nach mehr, das Bedürfnis, andere ins Unrecht zu setzen und selbst Recht zu behalten usw.

Der Mann, der als einer der bedeutendsten spirituellen Lehrer bezeichnet wird und sich in keiner Weise damit identifiziert - "Mag sein, dass ich das bin, wenn ich hier auf der Bühne einen Vortrag halte. Sobald ich aber die Bühne verlasse, bin ich das nicht mehr. Wenn ich das glaube, erliege ich einer Illusion." - hat die Kraft, seinen inneren Frieden, seine Gelassenheit und seine Zuversicht direkt zu vermitteln. Und hilft damit, das Bewusstsein auf dieser Erde zu verändern. Seine Worte zu verinnerlichen, zu begreifen und zu leben - das bringt nicht nur Frieden und Ruhe, ist unverzichtbar, wenn man gesund leben und bleiben will - es verändert auch die Welt.

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